Die Geographie der Musik

Auf dem Gymnasium habe ich in meiner Musikklasse einmal eine coole Sprechfuge gelernt. Da hieß es: “Der Popokateptl liegt nicht in Kanada, sondern in Mexiko”, und so weiter. Nun war Geographie nie meine Stärke und darum soll es in diesem Post eigentlich auch gar nicht gehen. Vielmehr möchte ich zwei wunderbare Musiklinks unter meinen Lesern verbreiten. Beide führen zu etwas, das man vielleicht am besten als Landkarte der Musik bezeichnen könnte.

Der erste Link, music-map.de, nennt sich auch so. Es ist ein Graph, der Musikgeschmäcker darstellt. Nach dem Motto, wenn sie gerne Johann Sebastian Bach hören, dann hören sie auch gerne mal Mozart (ja, ich weiß, xi, du nicht!), was ja an sich keine große Überraschung ist. Es ist aber sehr praktisch in Musikgebieten, in denen man weniger firm ist. Gestern lernte ich z.B. die mir zuvor unbekannte Band “Irie Révoltés” kennen, deren Musik ich gleich mal youtubete und die mir spontan zusagte. Und zwar, weil mir auch die “Ohrbooten” gefallen, eine Dub-Band, die ich mal vor x Jahren auf einer Lesung in X-Berg hörte. Natürlich habe ich mir auch den Spaß erlaubt, nach Guillaume de Machaut zu suchen, aber ich glaube, ich bin mit meinem Mega-Retro-Musikinteresse meiner Zeit mal wieder weit voraus.

Der zweite Link führt zum Electronic Music Guide, einem Stemma der Elektronischen Musik. Zu jedem Stil gibt es dort mehrere Soundsamples, in die man sich einhören und zu denen man sich ein Geschmacksurteil bilden kann. Außerdem werden “Verwandtschaften” der Stile angezeigt, an denen man sich dann entlanghangeln kann, wenn man etwas gefunden hat, das dem Geschmack zusagt. So weiß man später, ob man tatsächlich auf einer Party erscheinen möchte, auf der “Hard Acid Trance” als musikalische Untermalung angekündigt wird. Früher dachte ich ja immer, elektronische Musik wäre etwas für Torfköppe. Aber inzwischen weiß ich da zu differenzieren. Ebenso wie es in der Mittelaltermusik mehr als Gregorianik gibt, gibt es eben beim Techno auch mehr als Rave.

5 Kommentare zu “Die Geographie der Musik”

  1. DrNI
    Dezember 12th, 2007 12:03
    1

    Music Map ist nicht uninteressant. Eigentlich wollte ich mal wissen, in wie weit die Künstle in meinem turbulenten Musikgeschmack vielleicht in Beziehung stehen könnten, aber die ersten vier konnten nicht mal gefunden werden.

  2. LeV
    Dezember 12th, 2007 15:05
    2

    Jepp, so ist das, wenn man einen eher speziellen Geschmack hat. Ich frage mich allerdings, woher diese Daten stammen und ob man sie nicht erweitern könnte. Also nehmen wir an, 1000 Leute schreiben auf, welche Musiker sie gerne hören und dann wird ausgewertet, welche Namen dastehen und welche Namen wie oft in Verbindung mit einem anderen Namen genannt werden. Aber ich bin mir sicher, dass man problemlos 1000 Leute nach ihrem Musikgeschmack fragen kann und keiner wird Machaut nennen. Ich weiß ja nicht, was du so spezielles hörst, aber da wird’s dann vermutlich ähnlich sein.

  3. Felixx
    Dezember 19th, 2007 15:20
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    Hmm, na also ich weiß nicht … ich war mal mutig und habe mal meinen Lieblingschorkomponisten der Gegenwart, Eric Whitacre eingegeben. Am nächsten stünde dem ein gewisser Alfred Reed. Aha, mal schaun, was der geschrieben hat: Blasmusik! Für Militärkapellen. Oder genauer verbläserte
    Bach-Choräle und Greensleeves Adaptionen.
    Na gut, der Whitacre hat auch was für Bläser geschrieben, aber daraus eine Nähe zu kontstuieren …

    Und andererseits, ob dem Bach Schubert und Schumann wirlich näher stehen, als Beethoven oder Mozart?

  4. LeV
    Dezember 19th, 2007 22:09
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    Musikalische Nähe kann sich ja ganz unterschiedlich äußern, nicht nur formal oder nur stilistisch. Wüßte auch nicht, wie man soetwas empirisch bestimmen sollte. Ich denke eher, dass es eine Darstellung dessen ist, was Leute hören à la von den 100 Leuten, die gerne Bach hören, hören 67 auch gerne Händel, 52 auch gerne Schubert, 15 auch gerne Mozart und 3 auch gerne Gluck. Dann ist Händel am nähsten an Bach und Gluck am weitesten weg. Aber du kannst mir glauben, dass unter den Internetusern, diejenigen, welche überhaupt Bach hören, immer noch in der Minderheit sind. Deshalb würde ich gerade in solchen Bereichen nicht zu wissenschaftlich an die Sache herangehen.

  5. blah
    März 3rd, 2008 22:44
    5

    Hi Lev,

    vielen vielen Dank für den sinnigen Tip.

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