Mein neues Chalumeau
Letzte Woche hatte ich mir ja bei Hahl Blockflöten (ehem. Adler-Heinrich) ein Chalumeau der Limited Edition bestellt. Ich wollte eigentlich schon lange eins haben, seit eine Freundin damals eines anschleppte. Aber ich kam erst letzte Woche nach der Session im B-Flat wieder drauf, als dort jemand ein Bambus-Sax auspackte. Heute morgen klingelte also endlich der Postbote an der Tür und ich konnte mein neues Instrument schlaftrunken in Empfang nehmen.
Wer nicht gerade ein Liebhaber Alter Musik ist, kennt das Chalumeau wohl nur als Orgel- oder Klarinettenregister, wenn überhaupt. Aber dieses hier ist ein eigenständiges Instrument, eine Art Urklarinette, die noch bis ins 17. Jahrhundert hinein in Gebrauch war und dann von der Klarinette abgelöst wurde. Zu spielen ist das Ganze wie eine Blockflöte und sieht auch so ähnlich aus, allerdings bläst man in ein Klarinettenmundstück (also ein einfach Rohrblatt) und der Klang ist, wenn man denn in einiger Übung steht, dem des Chalumeau-Registers der Klarinette in etwa gleich. Ebenso wie die Klarinette überbläst auch das Chalumeau in die Duodezime.

Mein Chalumeau ist, wie auf dem obigen Bild erkenntlich, aus schön gemastertem Olivenholz und in C gestimmt, d.h. der tiefste Ton ist das eingestrichene c‘. Aber es gibt auch Exemplare in anderen Stimmungen. Ich konnte mich ja erst nicht entscheiden, ob ich mich eher vom hellen Olivenholz oder vom dunklen Palisander angezogen fühle. Natürlich wirkt ein dunkles Instrument klassischer und ruhiger, aber ich will ja keine Klassik darauf spielen, sondern etwas Portables zum Mont-Albane-Festival mitnehmen. Mein Bauch entschied sich also für Olive.
Nach dem Frühstück habe ich nun genüßlich mein Päckchen ausgepackt und erstmal etwas mit dem Mundstück und der Montage des Blättchens mit den Schraubzwinen zu tun gehabt. Nach rückversicherndem Studium einiger Abbildungen von Klarinettenmundstücken, habe ich aber auch das hinbekommen und gleich kühn versucht, einen Ton aus dem Chalumeau zu bekommen. Ich bin ja blutiger Anfänger, was Blasinstrumente anbetrifft und natürlich kam erst einmal nur warme Luft. Ich habe zwar diverse Blockflöten zu hause, auf denen ich auch schon „Alle meine Entchen“ gespielt habe, aber hey, so’n Rohrblatt ist dann doch noch mal etwas anderes.
Alles Rumprobieren, Lutschen, Nuckeln, Beißen und Pusten wollte keine rechten Ergebnisse liefern. Wie gut, dass es das Internet gibt, wo man dann auf irgendeiner Seite nochmal nachlesen kann, wie man so eine Klarinette eigentlich anbläst und spielt. Auf die-klarinetten.de wurde ich fündig: Unterlippe über die Zähne, Mundstück weit in den Mund schieben und drauf ablegen, mit den Schneidezähnen oben draufbeißen, Lippen rum und los! Quiiieeeck! Ui, ein Ton, aber was für einer – so klingt das aber gar nicht gut. Auch die Atemtechnik ist wichtig, heißt es auf meiner Referenzseite, die alsogleich vorschlägt, das Ganze mal im Stehen und mit ausreichend Zwerchfellatmung zu probieren.
Das ist natürlich leichter gesagt, als getan. Ich habe bestimmt eine Stunde rumprobiert, bis ich meiner Chalumeau das erste tiefe C entlocken konnte. Eine ganz schön sabberige Angelegenheit ist das. Aber meine ersten Erfolge mußte ich natürlich trotz wunder Unterlippe gleich akustisch festhalten. Dem Anlaß unseres nächsten Chor-Konzertes entsprechend, habe ich mir einen kleinen Ausschnitt aus den Catulli Carmina von Carl Orff in d-dorisch ausgesucht. Das ist aufgrund natürlicher Halbtöne erst einmal einfacher zu greifen.
[audio:chalumeau.mp3]Na gut, na gut, nicht gleich weglaufen, ich geb’s zu, es ist noch ein Genuß für Wenige. Die Quarte ist zu tief, der Weg zur Tonika holprig und man hört mehr verpuffte Luft strömen, als echte Töne. Aber es ist schließlich noch kein Meister vom Himmel gefallen. Jetzt heißt es Üben! Ich verbrate derzeit noch immens viel Luft, was zu dem Nebenrauschen und natürlich schnell zur Ermüdung führt. Wer mir da ein paar Tipps geben kann, wird gern angehört. Gibt es eigentlich irgendwelche erfahrenen Klarinetten- oder Saxophonspieler unter meinen Lesern?
April 25th, 2008 09:32
Mangels Motivation habe ich mein Xaphoon wieder verkauft, trotz einiger (eingestaubter) Erfahrung auf Blockflöten. Das Xaphoon scheint ja dem Chalumeau nicht unänhlich. Aber lass dich von nix abhalten. Üben, üben, üben, usw. Hab ich dann auch gemacht, allerdings lieber Bass.
April 25th, 2008 11:55
Ja, über ein Xaphoon hatte ich auch nachgedacht. Allerdings hat mir dann ein Saxophonfachmann davon abgeraten, weil das Mundstück wohl doch eher nuddelig ist. Beim Chalumeau kann man das Mundstück halt seperat aufsetzen, vielleicht ja sogar ein Saxophonmundstück – muß ich mal eruieren. Aber wenn es gut läuft, wäre ein Bambus-Sax auch noch mal ne Anschaffung. Da gibt es dieses coole Video von Eric, the Flutemaker: The Secret of Jazz. Ansonsten gibt es aber Bassisten und Gitaristen schon genug in der Familie – dann lieber noch mal Cello irgendwann. Ich finde ja, es ist nie zu spät dafür, ein neues Instrument zu lernen.
Oktober 28th, 2009 19:02
Ich habe auch gewaltig mit Einstiegsschwierigkeiten zu kämpfen. Dieses Posting ist ja schon etwas älter, klappt es denn mittlerweile? Ich habe ein gewaltiges Kraftproblem. Als relativ versierte Blockflötenspielerin habe ich es mir einfacher vorgestellt, das Clarineau auch zu spielen, aber Klarinettisten haben mir versichert, es brauche Zeit, die Kraft um den Mund und im Zwerchfell aufzubauen. Klar, Blockflöte ist „leicht“, d. h. ohne körperliche Anstrengung zu spielen. Dafür ist sie auch leise. Von nix kummt nix… Also kämpfe ich tapfer mit dem Mundverschluss, und schon kommt das nächste Problem: Wie drücke ich gleichzeitig die vordere Klappe nieder und halte das 1. Loch geschlossen? Nur ein Finger für beides…
Oktober 28th, 2009 20:04
Mein Chalumeau hat, wie man auf dem Bild sieht, gar keine Klappen. Die Griffe funktionieren exakt wie auf der Blockflöte. Das Anblasen ist aber vollkommen anders. Es braucht – das haben auch mir Klarinettisten versichert – tägliche Übung, die nötige Lippenspannung aufzubauen. Die nötige Kraft im Zwerchfell habe ich als Sängerin schon parat, obwohl es natürlich trotzdem sehr anstrengend ist, diese Spannung über einen längeren Zeitraum aufrecht zu erhalten. Da ich auch nicht täglich übe, klappt es mit dem Lippenschluss auch noch nicht so gut. Aber immerhin bekommt man allmählich ein Gefühl für die Anblastechnik. Ich bin aber ein faules Miststück, was das Üben betrifft und deshalb noch lange kein Meister.
November 2nd, 2009 14:40
Hast Du denn parallel noch weiter Gesangsunterricht? Das wäre ja ein Virtuosenstück, autodidaktisch zwei so unterschiedliche Atemdruckstärken automatisiert verfügbar zu machen, wie sie für Stimme einerseits und Rohrblattinstrumente andererseits benötigt werden. Wenn Du nicht so „faul“ wärst, könntest Du Deine Singstimme damit ganz schön aus der Balance bringen (Ich meine v. a. die Balance zwischen subglottischem Druck und Stimmlippenschluß).
November 2nd, 2009 17:30
Dann ist es wohl ein Glück, dass ich so faul bin. Ich habe keinen Gesangsunterricht, aber monatliche Stimmbildung und zweimal wöchtentlich Chorproben. Da würde ich mich ungerne durch’s Blasen aus der Blanace bringen lassen. Ich habe den Druck im Zwerchfell beim Anblasen des Chalumeaus bisher nicht als so unterschiedlich zu dem empfunden, was man bspw. bei längeren Gesangs-Koloraturen im Magen fühlt. Da ist einfach eine gewisse Grundspannung da und der Atemdruck kommt von tiefer, als das bei einem Kurzstreckensprint der Fall ist. Ich habe aber natürlich nie professionelle Hilfe in Sachen Chalumeau in Anspruch genommen und von Blasinstrumenten. Sollte ich das denn lieber mal tun?
November 3rd, 2009 09:11
Demnach zu urteilen, was Du schreibst, singst Du wöchentlich um ein Vielfaches länger, als Du Chalumeau spielst. In Verbindung mit Deiner langjährigen Singerfahrung bietet das schon eine gewisse Sicherheit. Wenn Du allerdings Deine Bläserei irgendwann intensivieren solltest, würde ich an Deiner Stelle schon einmal fachlichen Rat einholen. Mein Gedanke ist konkret, daß für das Rohrblattinstrument ein wesentlich höherer subglottischer Druck aufgebaut werden muß, als es für das Singen gut wäre. Wenn Du Dich beim Blasen in diese Richtung trainierst und nicht darauf achtest, kann es durchaus zu einem Transfer dieses dynamischen Stereotyps in die Sängeratmung kommen. Das ist aber natürlich ein theoretischer Gedanke, der für Dich praktisch u. U. gar nicht relevant ist; Du scheinst ja auch über eine überdurchschnittliche Differenzierungsfähigkeit zu verfügen. Nimm also meine Äußerung nicht als Warnung, sondern nur als fachmännischen Kommentar.