det/dit – dat/et

Vor ungefähr vier Jahren hatte ich mich hier im Artikel det/dit – Oong uff! darüber gewundert, dass ich bei der Ausübung meines Berliner Dialektes konsequent zwischen det und dit unterscheide, wobei ich det für die Konjunktion “dass” und dit für den Artikel “das” verwende. Eine sprach-historische Erklärung für diesen Gebrauch hatte ich allerdings bisher nicht.

Heute bin ich in dieser Frage allerdings ein Stück weiter gekommen. Ich habe nämlich im Zuge des germanischen Lautwandel-Paukens der Benrather- (oder: maken-machen), der Speyerer- (oder: appel-apfel) und der Sankt Goarer (oder: dat-das) Linie nachgespürt. Bei letzterer stieß ich auf das Phänomen, dass nördlich (also z.B. im ripuarischen Sprachraum) anstelle von das und es dat und et verwendet wird [Link]. Im Berlinerischen ist die Variante von dat det [Link], d.h. hier ist es zu einer Vokalhebung (oder im anderen Falle zu einer Senkung) gekommen. Was ist, wenn dit die vokalgehobene Variante von et ist?

Das hieße, man würde im Berlinerischen immer dann dit einsetzen (können), wenn man im Hochdeutschen “es” (anstelle von das) sagen könnte. Im Falle der Verbindung “dass das” also “det dit” ginge das, z.B. Ich sage, dass das funktioniert. > Ich sage, dass es funktioniert. > Ick saje, det (d)it funktionuckelt. Für die Konjunktion “dass” kann man in keinem Falle “es” einsetzen, insofern würde hier immer Ripuarisch dat und Berlinerisch det stehen. Nur beim Artikel “das” könnte als Variante dit stehen, nämlich wegen der Austauschbarkeit mit Ripuarisch et, wofür es eventuell die vokalisch gehobene Variante it (dit) gibt.

Ich kann das alles nicht beweisen, fände es aber als Erklärung einleuchtend – zumal Aspekte wie Vokalhebung, d.h. Umlaut von a zu e, durchaus eine klassische Lautwandelerscheinung im Deutschen ist.

Ein Kommentar zu “det/dit – dat/et”

  1. Sebastian
    August 1st, 2011 08:34
    1

    Da fällt mir spontan der saarländische Satz ein:

    “Dat dat dat darf!”

    ;-)

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