Trauriges Jubiläum

Rückblick auf 100 Rechtsscherereien

Als ich im November 2004 das erste Mal ein Gedicht von mir von jemand anderem veröffentlicht fand, war ich ein wenig stolz, aber auch bedrückt, meinen Namen nicht unter dem Text zu finden. In meiner jugendlichen Naivität dachte ich, es gehöre zur Allgemeinbildung zu wissen, dass ein kreatives Werk mit dem Zeitpunkt seiner Veröffentlichung automatisch urheberrechtlich geschützt ist und dass man den Verfasser fragen muß, ob man es weiterveröffentlichen darf. Doch als ich den Kontakt zu den verantwortlichen Forenmitgliedern suchte, mußte ich feststellen, dass nicht nur Unbildung, sondern zum Teil schnippische Ignoranz mir gegenüberstanden: “Hättest du haln n Kopierschutz einbauen müssen. Freu dich doch, dass du überhaupt gelesen wirst.”

Mich verletzte diese Ignoranz und ich begann neu über die freie Veröffentlichung und meine Rechte als Urheber nachzudenken. Ich wollte gelesen werden, ich wollte kopiert werden, aber ich wollte auch genannt werden und nicht anderen meine Lorbeeren schenken. Also stellte ich meine Gedichte unter CC-Lizenz und begann meinen Feldzug gegen die Unbildung. Ich durchforstete die Ergebnisse von Google & Co., recherchierte den verantwortlichen Usern hinterher und suchte den Kontakt. Der Großteil war sehr verständig, ergänzte fehlende Namen, Titel und Quellen und beteuerte mir mein Talent – einige waren aber äußerst harte Brocken, die meine Nerven bis auf’s äußerste Strapazierten. Von Löschung, Entstellung und Sperrung meiner Kommentare in Blogs und Foren, über Beteuerungen, man selbst hätte das Gedicht geschrieben bis hin zu Drohungen, man werde das Gedicht jetzt noch woanders veröffentlichen, um mich zu ägern und dann rumkommen, und mich verprügeln, hatte ich alles dabei.

Diese Extreme waren es dann auch, die mich schließlich im letzten Jahr dazu veranlaßten, meinen Pranger zu schließen und mich fortan nur noch an die (in solchen Fragen besser gebildeten) Betreiber solcher Community-Websites zu wenden. Ich möchte mich nicht mehr dem Streß aussetzen, denke aber nach wie vor, dass Aufklärung Not tut. Denn gestern abend habe ich die 100. unzureichende Veröffentlichung eines meiner Texte entdeckt und dies ist ein trauriges Jubiläum. Es kann doch nicht so schwierig und nicht zu viel verlangt sein, auch noch den Autornamen und den Titel zu kopieren. Es ist unfair und schlampig, es nicht zu tun – auch im Internet.

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